Presse-Artikel 2005

Artikel in den Kieler Nachrichten vom 22.02.2005


Wird der Quick-Wert überflüssig?
 

Deswegen forschten Clement und sein Team im Pharmazeutischen Institut Uni fünf Jahre lang an der Entwicklung eines so genannten "Prodrugs" – einer oralen Arznei, die den Wirkstoff Melagatran erst im Körper in die eigentliche Wirkform überführt. Ximelagatran gelangt über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Durch ein in die Struktur des Arzneistoffes zusätzlich eingebautes Sauerstoffatom kann das Molekül durch Membranen ins Blut dringen, wo der Sauerstoff durch Enzyme wieder entfernt wird und den blutgerinnungshemmenden Wirkstoff frei setzt. "So wird der Körper überlistet, den Wirkstoff aufzunehmen, den er aus seinem natürlichen Schutz heraus ablehnen würde, weil er fremd ist. Das ist wie mit einem Trojanischen Pferd, aber im positiven Sinne", erklärt Clement.

Ein Blutgerinnsel (Thrombus) kann entstehen, wenn das Blut – und mit ihm die körpereigenen Gerinnungsenzyme – langsamer als üblich durch die Venen fließt, zum Beispiel, wenn ein Mensch längere Zeit liegt oder sitzt. Das Blut gerinnt zu einem Pfropf, der die Versorgung der Organe mit Blut blockieren kann. Diese Thrombosen können zu lebensbedrohlichen Situationen führen – zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolie.

Das neue Medikament wird derzeit nur in Krankenhäusern angewandt. "Wir hoffen nun, dass die Zulassung von Ximelagatran für die Langzeitprophylaxe erweitert wird, das heißt, dass sie auch für eine lebenslange Blutverdünnung

angewandt werden kann. Eine alltagstaugliche Alternative zur Spritze wird viele Thrombose-gefährdete Menschen aufatmen lassen", betont Clement. Von Fred Könnecke

nordClick/Kieler Nachrichten vom 22.02.2005